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Stammzellforschung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Die Stammzellforschung nimmt am Wissenschaftsstandort Bonn eine herausragende Stellung ein. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung pluripotenter Stammzellen für die Erforschung und Behandlung neurologischer Erkrankungen. Bereits 1999 war es der Gruppe um Prof. O. Brüstle (Institut für Rekonstruktive Neurobiologie) gelungen, embryonale Stammzellen erstmals am Tiermodell für die Behandlung von Myelindefekten einzusetzen. Im Dezember 2002 erhielten Herr Brüstle und sein Team als bundesweit erste Gruppe die Genehmigung zur Forschung an humanen ES-Zellen. Heute setzt das Team sowohl embryonale Stammzellen als auch über Zellreprogrammierung gewonnene induziert pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) und Methoden der direkten Zellumwandlung (Konversion) parallel ein, um neurodegenerative Erkrankungen zu modellieren und neue Systeme für die Wirkstoffentwicklung zu etablieren. Darüber hinaus werden patientenspezifische Verfahren für den neuralen Zellersatz und den stammzellvermittelten Gentransfer entwickelt.

Ende 2004 wurde das Institut für Rekonstruktive Neurobiologie um eine zu Beginn von der Hertie- und Rose-Stiftung geförderte Arbeitsgruppe Neurale Regeneration (Prof. H. Neumann) bereichert, die Mikroglia aus Stammzellen generiert und deren therapeutische Bedeutung für entzündliche und degenerative Hirnerkrankungen erforscht.

Prof. B. Scheffler erweitert seit 2007 mit seiner Arbeitsgruppe 'Stem Cell Pathologies' das Spektrum des Instituts um die Untersuchung von Tumor-initiierenden Stammzellen in verschiedenen Gewebesystemen.

Seit Mitte 2008 ergänzt eine durch das NRW Rückkehrerprogramm geförderte Nachwuchsgruppe 'Neurodevelopmental Genetics' unter der Leitung von Dr. S. Blaess die Forschungsschwerpunkte des Instituts. Die Gruppe erforscht mit Hilfe von transgenen Mausmodellen die molekularen Grundlagen der Nervenzellentwicklung in vivo.

Anfang 2014 wurde die Nachwuchsgruppe 'Neural Development' von Dr. J. Ladewig, die durch das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert wird, als neue Arbeitsgruppe am Institut angesiedelt. Die Gruppe erforscht Mechanismen der menschlichen Hirnentwicklung unter Anwendung neuester Zellprogrammierungs- und -differenzierungsverfahren und erweitert somit den Focus des Instituts um einen entwicklungsbiologischen Ansatz.

Die Arbeitsgruppe von Prof. H. Schorle (Abteilung für Entwicklungspathologie, Institut für Pathologie) befasst sich mit den genetischen und epigenetischen Regulationsmechanismen der Pluripotenz bei Keimzellen und deren Tumoren sowie bei der frühen ‚Lineage’-Spezifikation der inneren Zellmasse und des Trophektoderm.

Die Arbeitsgruppe um Dr. V. Janzen (Klinik für Innere Medizin, Abt. Hämatologie und Onkologie) analysiert die molekularen Mechanismen der Differenzierung, Selbsterneuerung und die regenerative Kapazität hämatopoetischer Stammzellen in transgenen und Knockout-Maus-Modellen. Insbesondere wird die regulatorische Interaktion zwischen hämatopoetischen Stammzellen und der Stammzellnische (Knochenmarksstroma) untersucht. Außerdem untersucht seine Gruppe die Rolle einiger ausgewählter Gene im Alterungsprozess hämatopoetischer Stammzellen und den Einfluss dieser Moleküle sowohl auf die Regenerationsfähigkeit als auch auf die Krebsentwicklung in alternden Zellen.

Die Arbeitsgruppe um Prof. I. Schmidt-Wolf (Centrum für Integrierte Onkologie am Standort Bonn) konzentriert sich auf hämatopoetische Stammzellen (alternativ Tumorstammzellen) und Gentransferstrategien. Die AG arbeitet v.a. auf dem Gebiet der grundlagenorientierten Stammzelldifferenzierung.

Die Arbeitsgruppe von Prof. B. Fleischmann (Lehrstuhl für Physiologie I) beschäftigt sich mit der Differenzierung von Stammzellen in die verschiedenen Zelltypen des kardiovaskulären Systems. Ferner werden Stammzellmodelle eingesetzt, um die physiologischen Grundlagen der embryonalen Herzentwicklung und Funktion besser verstehen zu können. In enger Kooperation mit der Klinik und Poliklinik für Herzchirurgie (Prof. A. Welz) verfolgt die Arbeitsgruppe das Ziel, aus embryonalen Stammzellen abgeleitete Herzmuskel- und Gefäßzellen für die Behandlung des Herzinfarkts und anderer Herzerkrankungen einzusetzen.

Im wissenschaftlichen Fokus der Arbeitsgruppe von Prof. K. Willecke (Life and Medical Sciences Institute) steht die Erforschung der Funktion von Connexin Proteinen, die Verbindungen zwischen Zellen zum direkten Austausch von Ionen und Metaboliten ausbilden. Zur Zeit  wird die Funktion bestimmter Connexine bei der Entwicklung  embryonaler Stammzellen  zu Embryovorstufen  in Kultur zusammen  mit den  Arbeitsgruppen von Prof. Schorle (Institut für Pathologie)  und  Prof. Edenhofer (Universität Würzburg) untersucht.

Die Arbeitsgruppe von PD Dr. T. U. Krohne an der Universitäts-Augenklinik nutzt Disease modelling mit patientenspezifischen iPS-Zellen zur Untersuchung von Fragestellungen der retinalen Zellbiologie, insbesondere im Bezug auf retinale neurodegenerative Erkrankungen. Die Arbeitsgruppe von PD Dr. Dr. B. V. Stanzel an der Universitäts-Augenklinik nutzt ein Kaninchen-Modell für Zellträger-gestützte Ersatzstrategien des Retinalen Pigmentepithels zur präklinisches Untersuchung von (pluripotenten) Stammzellderivaten zur möglichen Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration.

All diese Forschungsaktivitäten sind in zahlreiche intra- und extramurale Netzwerke eingebunden. Hierzu zählen u. a. das Bonner Forum Biomedizin sowie stammzellorientierte Schwerpunktprogramme der DFG, des BMBF und der Europäischen Union. Seit September 2002 steht den Arbeitsgruppen mit der Life & Brain GmbH eine Plattform für die Kommerzialisierung bzw. Ausgründungen zur Verfügung.

Ihr Ansprechpartner an der Universität Bonn ist Prof. Dr. O. Brüstle

Sie erreichen ihn unter Tel. 0228-6885 500; E-Mail: brustle[at]uni-bonn.de

Stammzellforschung an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HBRS) wurde zum 1. Januar 1995 durch das Land Nordrhein-Westfalen als Bestandteil der "Vereinbarung über die Ausgleichsmaßnahmen für die Region Bonn" gegründet. Die junge, forschungsorientierte Hochschule ist an drei Standorten in Sankt Augustin, Rheinbach und Hennef angesiedelt und setzt sich aus fünf Fachbereichen zusammen: Wirtschaftwissenschaften; Informatik; Elektrotechnik, Maschinenbau und Technikjournalismus; sowie Angewandte Naturwissenschaften und Sozialversicherung. Stammzellforschung wird im Fachbereich 05, den Angewandten Naturwissenschaften, betrieben.

Die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. E. Tobiasch beschäftigt sich primär mit adulten mesenchymalen Stammzellen aus Fettgewebe. Die Differenzierung mesenchymaler Stammzellen in Richtung Adipozyten und Knochenvorläuferzellen, sowie Endothel- und glatte Muskelzellen ist Schwerpunkt der Untersuchungen. Ein besonderer Fokus bei allen Differenzierungen liegt auf dem Einfluss purinerger Rezeptoren (siehe z.B. Zippel et al., 2012). 

Die Differenzierung in Richtung Adipozyt dient als Modellsystem für Untersuchungen zum Einfluss differenzierender Adipozyten auf Endothelzellen. Dieses Projekt wird gemeinsam mit Prof. Dr. K. Harre von der Hochschule Dresden durchgeführt und soll Zusammenhänge von mikro- und makrovaskulären Komplikationen bei Adipositas und metabolischem Syndrom aufklären. Hierzu werden unter anderem ein Arterienmodell und ein Medikamententestsystem entwickelt. 

Stammzellen aus dem Zahnfollikel und Knochensplittern werden ebenfalls in die osteogene Richtung differenziert. Dies erfolgt in Kooperation mit der Kollegin Prof. M. Schulze auf neuartige Polymeren in Form von Scaffolds und Verkapselungen zur Medikamentenfreisetzung. Ziel ist die Regeneration nach Knochendefekten im oralen Bereich und bei Knochendefekten mit kritischer Größe, bei denen zusätzlich Angiogenese notwendig ist. Ziel des aktuell in 2015 begonnenen Projektes ist die Überführung der Labordaten unter GCP und GMP Bedingungen in die Präklinik.

Sonstiges:

Die HBRS hat vor kurzem mehrere Institute gegründet. Hier sind vor allen das Graduierteninstitut, sowie das Institut für Sicherheitsforschung und das Internationale Zentrum für nachhaltige Entwicklung zu nennen.

Ihre Vertreterin des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg ist Prof. Dr. E. Tobiasch.

Sie erreichen Sie sie unter Tel. 02241-865 576; E-Mail: edda.tobiasch[at]h-brs.de

Institut für Wissenschaft und Ethik (IWE) / Philosophisches Seminar

Das Institut für Wissenschaft und Ethik ist eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität Bonn. Es verfolgt das Ziel, zu einer ethischen Reflexion der Entwicklung von Medizin, Naturwissenschaft und Technik beizutragen und auf diese Weise einen verantwortungsvollen Umgang mit den in diesen Gebieten entstehenden neuen Handlungsmöglichkeiten zu fördern. Anlass für die Gründung des Instituts im Jahre 1993 war die Überlegung, dass die modernen Wissenschaften einer fortwährend beschleunigten Entwicklung unterliegen und ihre technische Umsetzung in sämtliche Lebensbereiche vordringt, wobei die Grenze zwischen Grundlagenforschung und Anwendung in zunehmendem Maße durchlässig wird. Die Komplexität von Ergebnissen und Folgen wissenschaftlichen Erkennens und Handelns erfordert daher eine begleitende ethische Urteilsbildung sowohl innerhalb der Scientific Community als auch in der Gesellschaft insgesamt. Aufgabe des Instituts ist es, diese Urteilsbildung durch interdisziplinäre Forschung zu begleiten und zu unterstützen.

Haupttätigkeitsfelder sind die Durchführung von Forschungsprojekten, die Erstellung von Gutachten und Expertisen sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Forschungsergebnisse werden der Öffentlichkeit und anderen Forschungseinrichtungen in Form von Einzelpublikationen und durch das vom Institut herausgegebene Jahrbuch für Wissenschaft und Ethik zugänglich gemacht. Darüber hinaus fördert das Institut den interdisziplinären wissenschaftsethischen Diskurs durch verschiedene Veranstaltungen wie insbesondere Fachtagungen, Kolloquien und interfakultäre Lehrangebote. Im europäischen und internationalen Kontext arbeitet das Institut mit zahlreichen akademischen Partnern zusammen.

Inhaltlich umfasst die derzeitige Forschung des Instituts vor allem den Bereich der biomedizinischen Ethik sowie die Ethik des Tierschutzes und Naturschutzes sowie weitere ethische Fragen von Naturwissenschaft und Technik. Ethische und rechtliche Fragen der Forschung an menschlichen Stammzellen sind bereits seit 1997 ein thematischer Schwerpunkt. Das Institut hat deshalb die Gründung des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW begrüßt und unterstützt. In den vergangenen Jahren hat sich mit den ethischen Fragen der neurowissenschaftlichen Forschung ein zusätzlicher Schwerpunkt herausgebildet.

Ihre Ansprechpartner im IWE sind Prof. Dr. D. Sturma und Prof. Dr. B. Heinrichs.

Sie erreichen sie unter Tel: 0049 (0) 228-33641920.

Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften

Das Deutsche Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften (DRZE) ist eine zentrale Einrichtung der Universität Bonn. Es wurde 1999 in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn als nationales Dokumentations- und Informationszentrum gegründet, um die wissenschaftlichen Grundlagen für eine qualifizierte bioethische Diskussion im deutschen, europäischen und internationalen Rahmen zu schaffen. Das Projekt „Grundlagen, Normen und Kriterien der Ethischen Urteilsbildung  in den Biowissenschaften“ am DRZE ist seit Januar 2004 eine Arbeitsstelle der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Als Forschungsstelle verfolgt das DRZE folgende Aufgaben:

  • Erarbeitung der Grundlagen, Normen und Kriterien der  ethischen Urteilsbildung in den Biowissenschaften in Form wissenschaftlicher Erschließung, systematischer Analyse und Aufbereitung der für eine qualifizierte Urteilsbildung erforderlichen Informationen;
  • Grundlegung und Strukturierung einer interdisziplinären Fachkultur im Bereich Ethik in den Biowissenschaften;
  • Erarbeitung der notwendigen, inhaltlichen, formalen und strukturellen Voraussetzungen für eine adäquate internationale Debatte und wechselseitige Vernetzung der deutschen bioethischen Forschung mit der europäischen bzw. internationalen bioethischen Fachdebatte;
  • Erstellung von Publikationen (Sachstandsberichte, Dossiers, Online-Informationen, Materialienbände) sowie die Durchführung von Konferenzen zur Beförderung der öffentlichen bioethischen Debatte;
  • Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses im Bereich der Bioethik.

Ihre Ansprechpartner im DRZE sind Prof. Dr. D. Sturma und Dr. D. Lanzerath.

Sie erreichen sie unter Tel. 0228-33641930.

Abteilung Europarecht des Institutes für Öffentliches Recht (Lehrstuhl Professor Dr. Matthias Herdegen)

Am Institut für Öffentliches Recht werden unter der Leitung von Professor Dr. Matthias Herdegen sowie in enger Kooperation mit dem Institut für Wissenschaft und Ethik u.a. aktuelle Fragen des Embryonenschutzes, insbesondere der Stammzellforschung, der Präimplantationsdiagnostik und des therapeutischen Klonens sowie des Patentrechts, verfassungs-, europa- und völkerrechtlich sowie rechtsvergleichend untersucht, um Grenzen und Spielräume sowohl der Gesellschaft wie des Staates bei der Anwendung und Regulierung neuartiger Forschungsansätze und Technologien am Beginn des menschlichen Lebens auszuloten. Auf diesen Gebieten besteht der Tätigkeitsschwerpunkt des Lehrstuhls in eigenen Forschungsprojekten (Publikationen), Vorträgen vor einer breiteren Öffentlichkeit (auch im Ausland) sowie die Erstattung von Expertise an Wissenschaft und Politik und die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (Habilitanden und Doktoranden). 
Ein kontinuierliches Vorhaben ist die ständige Erweiterung der von Prof. Dr. Matthias Herdegen und Prof. Dr. Hans-Georg Dederer herausgegebenen Sammlung „Internationales Biotechnologierecht“. Das „Centre for the Law of Life Sciences“ wird von Prof. Dr. Matthias Herdegen und Prof. Dr.Dr. Tade Spranger geleitet. 

Ihr Ansprechpartner ist Prof. Dr. M. Herdegen.

Sie erreichen ihn unter Tel. 0228-735570.

Moraltheologisches Seminar

Gemäß der Aufgabenstellung der Ethisch-Rechtlich-Sozialwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW hat das Seminar die ethischen Probleme der Stammzellforschung in einen größeren Kontext eingeordnet, um eine stärker grundlagenbezogene Perspektive zu gewinnen. Entsprechend den sog. ELSI-Fragestellungen (Ethische, rechtliche und soziokulturelle Implikationen der modernen Wissenschaften: Problemkonstellationen, Bewertungskriterien und Lösungsansätze) stehen insbesondere Fragen von Bioethik und Menschenwürde im Mittelpunkt. 

In diesem Rahmen wurde in der Zeit vom 1. September 2010 – 31. Juli 2012 unter der Leitung von Frau Dr. H. Baranzke ein Forschungsprojekt „Würde und Autonomie als Leitprinzipien in Theorie und Praxis der Lebenswissenschaften“ durchgeführt, gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunkts „Ethische, rechtliche und soziale Aspekte der modernen Lebenswissenschaften und der Biotechnologie”. Die interdisziplinäre Ausrichtung des Projekts trägt der Tatsache Rechnung, dass die Begriffe „Würde“ und „Autonomie“ in (Bio-)Ethik, Recht und Theologie unterschiedliche Begründungen erfahren und Funktionen erfüllen können. Angestrebt wurde daher eine kritische Analyse dieser Begriffe in ihrem jeweiligen Verwendungskontext, die durch den Vergleich mit der Verwendung in anderen Bereichen zu ihrer Klärung und Präzisierung beitragen kann. Dabei wurde auch die für pluralistische Gesellschaften unverzichtbare interreligiöse und interkulturelle Selbstverständigung in den Blick genommen. In den einzelnen Schwerpunkten wurden sowohl begründungstheoretische Fragen aus der Perspektive von Theologie, Ethik und Recht als auch wichtige Anwendungsfelder eingehend behandelt, ebenso die interkulturelle Anschlussfähigkeit der benannten Leitbegriffe insbesondere im Hinblick auf islamisch geprägte Gesellschaften. Die methodenkritischen Einsichten im Umgang mit vermeintlich gesicherten Vorverständnissen führten auf den ausgewählten Anwendungsfeldern u. a. zur Frage, ob es nicht jenseits der vorherrschenden „autonomiezentrierten“ Sichtweise letztlich doch um die Gewährleistung eines „guten Lebens“ geht. Spätestens im Übergang zu Verwendungsweisen des „Würde“-Begriffs im außerhumanen Bereich (z.B. „Würde der Kreatur“) wird deutlich, dass seine vielfältigen Bedeutungsdimensionen und deren Korrelationen noch längst nicht hinreichend ausgelotet sind.

In einem weiteren Forschungsprojekt wurden anlässlich der neueren Diskussionen um den Hirntod als Tod des Menschen, wie sie vom Bioethikrat des US-Präsidenten 2008 veröffentlicht worden sind, die Konzepte von Leben, Organismus, Potentialität, Ganzheits- und Integritätsprinzip eingehend analysiert. Gerade in Grenzsituationen stellt sich die Frage, was die Einheit des Menschen als Lebewesen ausmacht, mit besonderer Brisanz, insofern deren Beantwortung relevant für Normierungsentscheidungen in den Lebenswissenschaften generell und im Besonderen ist. Daher werden klassische Konzeptionen wie das Theorem der Leib-Seele-Einheit ebenso angefragt wie neuere Konzeptionen, die eher auf das Vermögen eines Organismus abstellen, in einen aktiven Austausch mit seiner Umwelt stehen. Die Unterscheidung der Diskussionsebenen von Lebenskonzept, Lebenskriterium und biologisch-medizinischer Diagnostik kann als paradigmatisch für die Fragen anthropologisch-ethischer Fragen in den Lebenswissenschaften gesehen werden.

Ihr Ansprechpartner ist Prof. Dr. J. Sautermeister.

Sie erreichen ihn unter Tel. 0228-737614.

Universität Bonn, Abt. Sozialethik der Evang.-Theol. Fakultät

Der Lehrstuhl der Abt. Sozialethik befasst sich mit verschiedenen Themen der Medizinethik und in diesem Rahmen auch mit ethischen und rechtlichen Aspekten der Forschung an pluripotenten Stammzellen, der genetischen Diagnostik, des Embryostatus und der Reproduktionsmedizin. Zwischen Fragen, die die ethische Bewertung der humanen embryonalen Stammzellforschung und der Reproduktionsmedizin betreffen, besteht eine erhebliche Schnittmenge. Der Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. H. Kreß gehörte z.B. der Arbeitsgruppe „Zellbiologie“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesärztekammer oder der Arbeitsgruppe „Memorandum Präimplantationsdiagnostik“ der Bundesärztekammer an; er war bzw. ist Mitglied der Bioethik-Kommission Rheinland-Pfalz, der Zentralen Ethikkommission für Stammzellenforschung am Robert Koch-Institut, der Arbeitsgruppe „Eckpunkte für ein Fortpflanzungsmedizingesetz“ der Leopoldina, u.a.

Ihr Ansprechpartner ist Prof. Dr. H. Kress.

Sie erreichen ihn unter Tel. 0228-737332.

Ergänzende Informationen

Für weiterführende Informationen zu den Standorten und den jeweiligen Arbeitsgruppen klicken Sie bitte auf die Überschriften.