Über die Grenzen geschaut: China

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VR China

Die Volksrepublik China kann im dem Bereich der Stammzellforschung auf eine lebendige Forschungslandschaft verweisen. Neben der schon länger etablierten Forschung an adulten und embryonalen Stammzellen ist die iPS Technologie auch in China in letzter Zeit zunehmend in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses gerückt. Als primär für die Förderung von Grundlagenforschung zuständige Institution hat das Ministerium für Wissenschaft und Technologie 2008 drei Projekte zu iPS mit Mitteln in Höhe von 110 Millionen Yuan (etwa 10 Millionen Euro) gefördert. Darüber hinaus werden verschiedene Projekte in den unterschiedlichen Bereichen der Stammzellforschung durch die Natural Science Foundation of China (NSFC) und lokale Administrationen gefördert.

Explizit geregelt ist in der Volksrepublik China die Forschung an humanen embryonalen Stammzellen. Das Ministeriums für Wissenschaft und Technologie hat gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium am 24. Dezember 2003 Ethical guiding principles on human embryonic stem cell research erlassen.

Verboten ist gemäß diesem Erlass jedwede Forschung, die auf das reproduktive Klonen zielt.
Zulässig sind hingegen die Gewinnung von Stammzellen aus ‘überzähligen’ Embryonen nach beendigten IVF-Verfahren sowie die Gewinnung aus Embryonen, welche mittels Zellkerntransfer oder parthenogenetischem Embryosplitting erzeugt wurden, und letztlich die Gewinnung aus fetalem Gewebe nach spontanem oder absichtlichem Abort.

Voraussetzung für die Zulässigkeit der Forschung ist zudem,

- dass eine schriftliche Zustimmung durch die Spender nach vorheriger Aufklärung vorliegt,
- dass sich der Embryo aus dem IVF-Verfahren bzw. der durch SCNT gewonnene Embryo nicht über den 14. Tag hinaus entwickelt hat und
- dass die durchführende Institution über ein Ethikkomitee verfügt, welches ihre Aktivitäten begleitet und überwacht. Der Erlass erwähnt nicht, dass ein positives Votum des Ethikkomitees vorliegen muss, damit das Forschungsprojekt beginnen kann.

Neben der Forschung mit humanen embryonalen Stammzellen ist auch die Zulassung von stammzellbezogenen therapeutischen Anwendungen in China von besonderem Interesse. Abgesehen von therapeutischen Anwendungen im Rahmen klinischer Studien offerieren kommerzielle chinesische Anbieter Therapien für schwere, bislang unheilbare Krankheiten. Auch in anderen Ländern –so etwa in Deutschland- gibt es kommerzielle Angebote für den Einsatz von Stammzellen zur Behandlung unterschiedlichster Indikationen. Bislang konnten in der absoluten Mehrzahl der Indikationsbereiche weder belastbare Daten über therapeutische Wirksamkeit vorgelegt werden, noch gibt es gesicherte Erkenntnisse über Wirkmechanismen. Insofern müssen angesichts der Datenlage diese Vorgänge als therapeutische Experimente klassifiziert werden, da sie insbesondere nicht den strengen Regularien für klinische Studien unterliegen. In China ist die Situation auch dadurch auffällig, dass es mehrere Anbieter gibt die offensiv für ihre „Therapien“ werben (siehe etwa www.stemcellschina.com). Ob es neben den allgemeinen Regeln der Zulassung für Arzneimitteln und Medizinprodukten in China spezielle Zulassungsvoraussetzungen für Stammzelltherapien gibt, konnte nicht ermittelt werden. Dies muss aber angesichts der generell permissiven Haltung des chinesischen Gesetzgebers in Sachen Stammzellforschung als eher unwahrscheinlich gelten.

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