Über die Grenzen geschaut: Iran

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Iran

Das Rechtssystem der Islamischen Republik Iran is geprägt von der iranischen Revolution 1979. Auf sie folgte die Einführung des islamischen Rechts, die so genannte Scharia. 

Innerhalb des iranischen Rechtsystems verkörpert der „Oberste Führer der Islamischen Revolution“, auch Revolutuionsführer genannt, die höchste politische Instanz. Bei dem derzeitigen Amtsinhaber handelt es sich um Ayatollah Seyed Ali Khameinei. Diesem kommt innerhalb des Gesetzgebungsprozess eine herausragende Rolle zu. Der Erlass von Gesetzen gründet auf einem komplexen Prozess. Gemäß der iranischen Verfassung liegt die Gesetzesinitiative sowohl beim Parlament (Majlis) als auch bei der Regierung. Die Majlis sind gemäß Artikel 71 ermächtigt ausschließlich koran- und verfassungskompatible Gesetze zu erlassen. Dies verdeutlicht den Primat des Korans. 
Darüber hinaus fungiert der Wächterrat laut Artikel 72 als zweite Kammer innerhalb des Gesetzgebungsverfahren. Dieser besteht aus zwölf Juristen - darunter sechs Kleriker und sechs nicht-Kleriker. Dem Wächterrat kommt verfassungsgemäß die Kontrollfunktion von Parlamentsentscheidungen zu. Im Falle von Inkompatibilität des Gesetzes ist der Wächterrat laut Art. 94 berechtigt sein Vetorecht einzusetzen und folglich Gesetzesentwürfe erneut debattieren zu lassen bis an diesen nichts mehr auszusetzen ist. Falls die Majlis den Anforderungen des Wächterrats nicht gerecht werden können schaltet sich der so genannte Schlichterrat, als vermittelndes Gremium, ein. Nennenswert ist hierbei, dass die Mitglieder dieser Instanz von dem Revolutionsführer ernannt werden. Folglich hat der Revolutionsführer kraft des direkten Kontakts zum Wächterrat und der Ernennung des Schlichterrats de facto das letztes Wort  im Gesetzgebungsprozess. 

FatwasIm Rahmen des Gesetzgebungsprozess müssen auch so genannte Fatwas genannt werden. Eine Fatwa repräsentiert eine religiöse Meinung und stellt ein islamisches Rechtsgutachten dar. Die Legitimation solcher Fatwas gründet auf dem Koran. Sollte darin, in den Traditionen des Propheten (Sunna) oder schließlich dem Verhalten und dem Erlass seiner Gefährten  keine Lösung für eine Frage, ein bestimmtes Thema oder eine konkrete Tat dargeboten werden, kann eine Fatwa den Status einer legitimierenden Entscheidung einnehmen. Ein Fatwa wird in der Regel auf Anfrage einer Einzelperson von einem Mufti erlassen.

Bioethische Organisationen
Die islamische Republik Iran verfügt über eine breite Institutionslandschaft. Bei dem Hauptakteur handelt es sich um das Ministerium für Gesundheit und Medizinausbildung , als das leitende Forschungszentrum für Medizinethik. Neben dem nationalen Komitee für medizinische Forschung und der iranischen Kommission für die UNSECO, gibt es noch 40 weitere regionale Komitees in diversen Universitäten und lokale Ethikkommissionen in über 85 Forschungszentren.

StammzellforschungDie Forschung an Embryonen ist wesentlich von der religiösen Überzeugen beeinflusst, dass menschliches Leben ab dem vierten Monat nach der Befruchtung beginnt. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist das dem Koran zugrunde liegende Leitprinzip der Prävention von Krankheit und Leiden.  Daraus folgt, dass die Stammzellforschung an ungeborenen Embryonen relativ unkontrovers ist.   

In dem Zusammenhang ist die wichtigste iranische Institution im Bereich der Stammzellforschung das so genannte Royan Institute zu nennen. Das Royan Institute wurde 1991, als ein Klinikum für Interfilität im Norden Irans institutionalisiert. 1998 wurde das Institut seitens des Ministerium für Gesundheit und Medizinausbildung ausgebaut. Somit verfügt das Royan Institute über unterschiedliche Abteilungen wie z.B. die Grundlagenforschung und die angewandte Forschung in Bereichen wie z.B. der Stammzellforschung, der Embryologie und der Gynäkologie.
Zur Etablierung von Stammzelllinien und der Entwicklung verschiedener Verfahren und Techniken zur Differenzierung, wurde die Stammzellabteilung des Royan Institutes eingerichtet.  Diese Institution gliedert sich in neun Forschungsgruppen: die Biologie embryonaler und reifer Stammzellen (1), mesenchymale Stammzellen (2), neuronale Stammzellen (3), Beta-Zellen (4) und Keimzellen (5), Stammzellforschung mit Fokus auf das Herz (6), den Augen (7), der Leber(8) und physikochemischen Wachstumsfaktoren (9).
Im Zuge der Forcierung der Führungsrolle Irans innerhalb der medizinischen Forschung folgte 2003 die offiziellen Befürwortung der Stammzellforschung seitens Ayatollah Seyed Ali Khamenei. Dies ermöglichte es iranischen Wissenschaftlern humane embryonale Stammzellen zu entwickeln. Innerhalb der letzten drei Jahre ist es dem Royan Institute gelungen 6 human-embryonale Stammzelllinien zu etablieren. Daher kommt der Islamischen Republik Iran die regionale Vorreiterrolle innerhalb der hES Zellforschung zu. Darüber hinaus zählt der Iran weltweit zu den 10 Staaten, die embryonale Stammzellen produzieren, kultivieren und einfrieren können. 
Eine weitere Errungenschaft der Abteilung für Stammzellforschung des Royan Institutes ist die Etablierung zwei embryonaler Stammzelllinien von Mäusen (mES) in Kollaboration mit Australien. Ferner hat das iranische „Molecular Medcine Network“ zur Etablierung von drei weiteren mES und sechs weiteren hES Zelllinien beigetragen.  Eine dieser Zelllinien ist bereits in der internationalen Gesellschaft für Stammzellforschung (ISSCR) registriert worden. Zwei weitere Stammzelllinien werden künftig publiziert. Darüber hinaus ist dem Royan Institute 2006 die Geburt des ersten geklonten Schafes im Iran gelungen.

FazitAuf Grund des liberalen Charakters der rechtlichen Regulierungen hinsichtlich der Stammzellforschung, räumt der Iran den Wissenschaftlern in dem Sektor eine weitgehende Forschungsfreiheit ein. Die Entwicklungen innerhalb der Stammzellforschung werden jedoch durch einige interne und externe Faktoren gehemmt. Zu den internen Hindernissen zählt unter anderem die Finanzknappheit auf Grund von mangelnden Investitionen aus dem privaten Sektor. Daher wird über die Etablierung einer Stammzell-Community diskutiert. Externe Hindernisse wie z.B. die Restriktionen für Forscher seitens des Westens und der Islamischen Republik erschweren den internationalen wissenschaftlichen Austausch der Forscher. 

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