James Adjaye wird Institutsleiter an der Düsseldorfer Heine-Universität
Ein neues Institut für Stammzellforschung wird sich aus dem Institut für Transplantationsdiagnostik und Zelltherapeutika (ITZ) der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität entwickeln: Geleitet wird es künftig von dem in Ghana geborenen Briten Dr. James Adjaye, der vom Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin kommt. Sein Ziel ist die Gewinnung und Lagerung von klinisch reinen iPS-Zellen (induzierte pluripotente Stammzellen) aus Nabelschnurblutzellen mit definierten HLA-Haplotypen. Letztere spielen bei der Immunverträglichkeit, etwa bei Blut- und Organspenden, eine wichtige Rolle.
Dr. Adjaye wird Nachfolger von Prof. Peter Wernet, der bis vor kurzem Direktor des ITZ war. Bisher sind die primären Aufgaben des Instituts die Herstellung und Entwicklung von Stammzelltransplantaten aus Knochenmark oder auch Nabelschnurrestblut. Nun wird sich dieser Bereich um die Forschung an iPS-Zellen erweitern. „Ich starte voraussichtlich im April 2012 mit neuer Ausrüstung und einem Team von zehn Personen“, sagt Dr. Adjaye. Zu seinen Forschungsinteressen gehörte bisher unter anderem die Entwicklung von Krankheitsmodellen in der Zellkulturschale, wobei er sich vor allem mit einer bestimmten Erkrankung der Leber befasst hat – der im Volksmund so genannten „Fettleber“ (Non-alcoholic fatty liver disease), Steatosis.
Ursache der Krankheit ist die erhöhte Häufigkeit der Adipositas, was zur Insulinresistenz und überschüssigem Fett in der Leber führt oder gar in Zirrhosen mit Leberversagen und hepatozellulärem Karzinom gipfelt. Diese Krankheit nun anerkannt, als häufigste Lebererkrankung in der westlichen Welt.
„In einem umfangreichen Projekt (LivSysiPS) des Netzwerks ERASysBio Plus habe ich als Koordinator zusammen mit Partnern aus Österreich, Großbritannien, Italien und Deutschland ein Modell dieser Krankheit erstellt“, sagt Dr. Adjaye. „Das heißt, wir haben Hautzellen von Patienten reprogrammiert und in Leberzellen verwandelt. Jetzt sind wir dabei, in vitro zu untersuchen, welche Gene und Pfade dafür verantwortlich sind, dass sich die Krankheit entwickelt.“
Insgesamt ist es Dr. Adjaye ein Anliegen, neue Verfahren für die Herstellung von iPS-Zellen zu entwickeln – so dass diese ihre Möglichkeit zur Selbsterneuerung und Pluripotenz behalten und nicht mit Viren behaftet sind, die eine zukünftige therapeutische Anwendung erschweren. Mit diesem Vorsatz kommt der 47-Jährige nun nach Düsseldorf und freut sich auf die Herausforderung, ein neues Institut aufzubauen. Er machte seine Promotion am Kings College in London, gefolgt von einem Training am Londoner Guy’s Hospital. Eine Postdoktorandenstelle am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen unter Direktor Prof. Klaus Weber folgte. Danach ging der Forscher zum Institute of Child Health des University College in London.
„Schließlich bekam ich bekam die Möglichkeit, zusammen mit Prof. Hans Lehrach am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik die genetische Ausprägung von embryonalen Stammzellen in großer Anzahl zu überprüfen – das reizte mich“, sagt Adjaye. Doch der Vater zweier Töchter fühlte sich mit seinem Forschungsgebiet bislang eher isoliert. „In Berlin bin ich einer der wenigen, der an humanen iPS- und embryonalen Stammzellen forscht. Im Rheinland werde ich nun dank des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW viele Kollegen in meiner Nähe haben, die in ähnlichen Bereichen arbeiten“, erklärt der Forscher erfreut.


